Gedichte Nachruf


Gedichte - Nachruf

Sammlung an Gedichten in Form eines Nachruf`s für Leserunden und Gedächtniseinheiten.


Fichte an jeden Deutschen

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
an deines Volkes Aufersteh'n;
Laß diesen Glauben dir nicht rauben,
trotz allem, was gescheh'n.
Und handeln sollst du so als hinge
von dir und deinem Tun allein
das Schicksal ab der deutschen Dinge
und die Verantwortung wär dein.

Albert Matthai

 

 

 

Ausgang

Immer enger, leise, leise
ziehen sich die Lebenskreise,
schwindet hin, was prahlt und prunkt,
schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
uns ist nichts in Sicht geblieben
als der letzte dunkle Punkt.

Theodor Fontane

 

 

 

 

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns
mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

 

 

 

 

Der Mensch lebt und bestehet
nur eine kleine Zeit,
und alle Welt vergehet
mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden
und wir in seinen Händen.

Matthias Claudius

 

 

 

Das Schöne bewundern,
Das Wahre behüten,
Das Edle verehren,
Das Gute beschließen;
Es führet den Menschen,
Im Leben zu Zielen,
Im Handeln zum Rechten,
Im Fühlen zum Frieden,
Im Denken zum Lichte;
Und lehret ihn vertrauen
Auf göttliches Walten
In allem, was ist:
Im Weltenall,
Im Seelengrund.

Rudolf Steiner

 

 

 

Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne
mein Heim ist nicht von dieser Zeit.

Gerhard Tersteegen

 

 

 

Abschiednehmen
sich trennen
aufgeben
einen Teil von sich selbst
etwas dem Wind überlassen
den Fluten
dem Wasser
das Sterben lernen
jeden Tag ein wenig
für das Neue
das folgt.

Nachruf

 

 

 

 

Du hast nicht nur Ratschläge erteilt.
Du hast uns Dein Herz und Deine Hand gegeben.
Du hast Deine Rolle prägend gespielt.
Und in vielen von uns Deine Spuren hinterlassen.
Jetzt bist Du am Gipfel angelangt.
Wo alle Sehnsucht sich erfüllt.
Gott.

Nachruf

 

 

 

 

Es geht eine Tür zu Gott hinein,
die Tür ist klein.
Hat sie Raum
für dich und mich? Kaum!
Jeder gehe getrost für sich!
Drüben dann - wie hier zu Land -
geh'n wir wieder Hand in Hand.

Nachruf

 

 

 

 

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war Teil von unsrem Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
uns immer, immer fehlen.

Nachruf

 

 

 

Flinke Schritte,
sichere Schritte,
kräftige Schritte,
schwere Schritte,
langsame Schritte,
unsichere Schritte.

Nachruf

 

 

 

 

Ich erinnere mich an die Zeit,
der Himmel kann warten,
nur die Besten sterben jung,
zieh mit den Wölfen,
ein neuer Tag beginnt.

Nachruf

 

 

 

Ich hang und bleib auch hangen,
an Christus als ein Glied.
Wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd‘, durch Not,
er reißet durch die Höll‘,
ich bin stets sein Gesell.

Nachruf

 

 

 

 

Immer hin und wider
strebt der Blütenzweig im Winde
immer auf und nieder,
strebt mein Herz gleich einem Kinde
zwischen hellen, dunklen Tagen,
zwischen Wollen und Entsagen,
bis die Blüten sind verweht.

Nachruf

 

 

 

 

Immer sind wir zwei gegangen
stets den gleichen Schritt.
Was vom Schicksal du empfangen,
ich empfing es mit.
Ach, es war ein schönes Wandern,
auch wenn uns der Sturm umtost,
einer war die Kraft des andern,
einer war des andern Trost.

Nachruf

 

 

 

 

Treues Vorwärtswandern
Seit' an Seit',
eines macht den andern
stark im Leid.
Eines trägt des andern
schwere Last,
eines hält des andern
Hand umfaßt.
Keines fragt den andern:
Ist's noch weit?
Selig ist das Wandern
so zu zweit.

Nachruf

 

 

 

 

Über die Wipfel geht ein Wind,
Tropfen rinnen an schweren Stämmen.
Fern die Sonne, die Lüfte lind,
und meine Sehnsucht kann ich nicht dämmen.
Schwer ist mein Herz wie die nasse Erde.
Nebel umhüllen des Tages Gesicht,
Boten der Nacht mit klammer Gebärde -
ach, meine Augen sehen dich nicht!

Nachruf

 

 

 

 

Warum trifft der Blitz die Eiche, die stark?
Warum nicht Bäume mit morschem Mark?
Warum stirbt, wer gerne zum Leben bereit?
Warum lebt noch lang, wer dem Tode geweiht?
Frage und Klage wird in uns stumm.
Gottes Wille kennt kein Warum!

Nachruf

 

 

 

Was Du im Leben hast gegeben,
dafür ist jeder Dank zu klein,
Du hast gesorgt für Deine Lieben,
tagaus, tagein.
Dein gutes Herz hat aufgehört zu schlagen,
Du wolltest doch so gern noch bei uns sein,
schwer ist es, diesen Schmerz zu tragen,
denn ohne Dich wird alles anders sein.

Was du im Leben hast gegeben,
dafür ist jeder Dank zu klein.
Du hast gesorgt für deine Lieben
von früh bis spät, tagaus, tagein.
Du warst im Leben so bescheiden,
nur Pflicht und Arbeit kanntest du.
Mit allem warst du stets zufrieden,
nun schlafe sanft in stiller Ruh'.

Was du im Leben hast gegeben,
dafür ist jeder Dank zu klein.
Was wir an dir verloren haben,
das wissen wir nur ganz allein.

Was ein Mensch an Gutem
in die Welt hinausgibt,
geht nicht verloren.

Unbekannt

 

 

 

Was man besaß, weiß man, wenn man’s verlor.
Der Winter sitzt schon auf den kahlen Zweigen.
Es regnet, Freude, und der Rest ist Schweigen.
Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor,
und der Novemver trägt den Trauerflor.

Nachruf

 

 

 

 

Werde, was du im Grunde
deines Herzens bist…
und es öffnen sich die Tore
zum Geist des Kindseins,
zum Staunen einer Liebe.

Nachruf

 

 

 

 

Frieden war es, was ich wollt,
statt Zwietracht wollt ich einen,
zusammensetzen ihr euch sollt,
wie’s war, so soll’s auch bleiben.

Habt Freud an dem, was euch noch bleibt,
vergesst niemals das Leben,
es ist es, das Geschichten schreibt,
im Geben und im Nehmen.

Und manches Mal, wenn ihr verzagt,
wenn Schmerz und Pein euch sorgen,
so denkt an mich, der euch so mag,
s’ gibt immer einen Morgen.

Nachruf

 

 

 

Steht nicht an meinem Grab und weint,
ich bin hier nicht, ich schlafe nicht.
Ich bin die tausend Winde,
das Diamantglitzern auf dem Schnee.
Ich bin der Sonnenschein auf reifem Korn.
Ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn ihr aufwacht in der Morgenstille,
bin ich der schnelle Flügelschlag stiller Vögel
in kreisendem Flug.
Ich bin der Stern, sein mildes Licht in der Nacht.
Steht nicht an meinem Grab und weint,
ich bin hier nicht…

Nachruf

 

 

 

Meine Zeit mit Dir ist wie ein Sommerwind,
der durch ein Kornfeld weht,
meine Zeit mit Dir ist wie ein Bach, der rinnt
und der vor Sehnsucht singt.

Meine Zeit mit Dir, der kleinste Augenblick
ein Hauch von Ewigkeit,
für diese Zeit mit Dir geb' ich Dir gern zurück
von meiner Wenigkeit.

Diese Zeit mit Dir hat jeden Schmerz geheilt
und jeden Sturm besiegt,
ich möchte, daß die Zeit mit Dir für ewig bei uns weilt
und dir zu Füßen liegt.

Für diese Zeit mit Dir möcht ich Dir dankbar sein
wie ein Gebet,
wo für die Zeit mit Dir und dem Zusammensein
am Ende "Amen" steht.

Nachruf

 

 

 

Da ist,
da war,
da wird sein,
das Beben
am Anfang
und am Ende.

Nachruf

 

 

 

 

Geh -
Suche dein Haus -
Das irgendwo ist
unter den fallenden Sternen -
Denn der Tod hat deine Fragen ausgelöscht.

Nachruf

 

 

 

 

Wenn die Sonne fern im Westen sinkt,
reicht sie still der Dunkelheit die Hand.
Wenn der Tod hier einem Menschen winkt
trägt er seine Seele in ein Land,
daß im Morgenglanz der Ewigkeit
sie von Sorge und von Schmerz befreit.

Nachruf

 

 

 

 

Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft zu tragen,
was ich nicht will.

Nachruf

 

 

 

Du bist entschwebt,
allzuzeitig,
in deine Geistesheimat,
mit Schwingen
aus Liebe und Opfergabe
gewoben -
100 Jahre wolltest du auf dieser Erde ackern,
du hast es in 14 Jahren geschafft! Die
Erde zu bestellen,
Liebe zu säen,
Liebe zu ernten,
Liebe zu lehren.

Nachruf

 

 

 

 

Deine Liebe hat uns immer begleitet,
Deine Güte war uns Geborgenheit,
Dein Leben war Geben,
Deine Sorgen und Hoffnungen galten uns.

Der Wind stärke dir den Rücken,
Die Sonne scheine in dein Gesicht,
Bis wir uns wiedersehen
Berge dich Gott in der Tiefe seiner Hand.

Nachruf

 

 

 


Ich hang an di mien Läwen lang,
mien läwet Ammerland.
Ich will di bringen mien Gesang,
woll plattdütsch is mien Leederklang,
doch tro mien Hart un Hand.

Nachruf

 

 

 

 

Unter Lilien jener Freuden
sollst du weiden.
Seele, schwinge dich empor!
Wie ein Adler flieg behende!
Jesu Hände
öffnen schon das Perlentor.

Nachruf

 

 

 

Immer wieder und wieder
steigst du hernieder
in der Erde wechselnden Schoß
bis du gelernt im Licht zu lesen,
und alle Zeiten zeitenlos.
Bis sich die mühsame Kette der Dinge
zum immer ruhenden Ringe
in dir sich reiht -
in deinem Willen ist Weltenwille,
Stille in dir - Stille und Ewigkeit.

Nachruf

 

 

 

 

Ein Vogel will sich in die Luft erheben,
selbst wenn sein Käfig golden wär.
Ein Fluß gräbt sich den Weg ins Meer,
selbst wenn ihn Dämme hindern wollten.
Unsere Herzen rufen deinen Namen,
selbst wenn du unsere nicht mehr hörst.

Nachruf

 

 

 

Du warst so jung an Jahren
und mußtest wieder gehn,
dein Schicksal hat es so bestimmt,
daß Gott dich so früh von uns nimmt.

Auf einmal warst du nicht mehr da,
der Abschied hat uns tief getroffen,
die Zeit mit dir war wunderbar.

Wir wissen, daß du immer bei uns bist
auf all den Wegen, die wir gehn.
Auf Wiedersehn

Nachruf

 

 

 

 

Weinet nicht, Ihr Lieben,
hart ist es für euch und mich.
Ich wär so gern bei euch geblieben,
doch meine Kräfte reichten nicht.
Was ich getan in meinem Leben,
ich tat es nur für euch.
Was ich gekonnt, hab ich gegeben.
Als Dank bleibt einig unter euch.

Nachruf

 

 

 

 

Magst du über Rosen gehn,
Höh'n und Tiefen du durchmessen,
sieh, an deinem Ende stehn
doch die düsteren Zypressen

Weiter muss als der Verstand,
reichen tieferes Verständnis
alles ist nur Übergang!
Ring dich durch zu der Erkenntnis

Welcher Trost liegt in dem Worte!
Seele - und dir ist so bang?
Tod ist Leben, Sterben Pforte!
Sieh, du stehst am Übergang!

Greif zum Stab und steig nur mit,
nach Vollendung mußt du streben
Wächst du doch mit jedem Schritt
hinter dir bleibt Welt und Leben

Erst dein letzter Atemzug
lehrt: Du warst des Lebens Meister
wenn dein Geist den Adlerflug
nimmt ins Reich der reinen Geister.

Nachruf

 

 

 

 

Deine Hand, meine Hand,
Du berührst mich, ich berühre Dich.
Auch wenn wir getrennt sind,
sind wir für immer eins.

Nachruf

 

 

 

 

Elisabeth

Wie eine weiße Wolke
am hohen Himmel steht,
so weiß und schön und ferne
bist du, Elisabeth.

Die Wolke geht und wandert,
kaum hast du ihrer Acht,
und doch durch deine Träume
geht sie in dunkler Nacht.

Geht und erglänzt so silbern,
daß fortan ohne Rast
du nach der weißen Wolke
ein süßes Heimweh hast.

Nachruf

 

 

 

Die Zeit vergeht,
und vieles geht verloren.
Das Leben vergeht
und wird wiedergeboren.
Tod ist Tod. Leben ist Leben.
Du fragst warum? So ist es eben.

Unbekannt

 

 

Jung sein können, in späten Tagen,
wenn die Röte des Morgens vergeht
und den Frühling im Herzen tragen,
wenn schon der Herbstwind der Kühle weht.
Wer solche Gnade vom Himmel erfahren,
fürchtet die Schatten der Erde nicht.
Der geht durchs Leben, ein Weiser an Jahren
und als Kind in beglückendem Licht.

Unbekannt

 

 

Nun ruhen für immer Deine Hände,
dein müdes Herz, es steht nun still,
du bist ganz leise von uns gegangen -
wie es des Lebens Schicksal will.
Hab Dank für deine Liebe,
du wirst nicht vergessen sein,
auf unserem Weg ins Leben,
schließt Erinnerung dich ein.

Unbekannt

 

 

Viel genossen, viel gelitten,
Und das Glück lag in der Mitten;
Viel empfangen, nichts erworben,
Froh gelebt und leicht gestorben,
Fraget nicht nach der Zahl der Jahre
Kein Kalender ist die Bahre,
Und der Mensch im Leichentuch
Ist ein zugeklapptes Buch.
Darum, Wand'rer, zieh dich weiter,
Denn Verwesung stimmt nicht heiter.

Ferdinand Sauter

 

 

Wenn ich im Glanz der Sonne
dein Lächeln nicht sehe,
wenn ich im Gesang der Vögel
deine Stimme nicht mehr höre,
wenn ich im fallenden Regen
deineTränen nicht sehe,
wenn ich in fremden Gesichtern
deines nicht suche,
dann, erst dann bist du wirklich gestorben.

Nachruf

 

 

 

Ein heller Stein von weit, weit her,
er trägt nun deinen Namen
und deiner Lebensspanne Zeit
ist darin eingegraben.
Auch sein Gefüge wird, verwittert,
die Ewigkeit nicht überdauern
wie alle, die ihn still umstehn,
den bitteren Verlust betrauern.
Lebendig bleiben Geist und Seele,
die wie ein Flor den Stein umgeben,
enthoben aller Schwere,
dem engen Raum entstiegen sind,
der zwischen Tod und Leben.

Nachruf

 

 

 

Wie gerne würden wir ihm reichen
noch einmal zärltich unsere Hand,
die Zeit mit ihm war ohneglichen,
weil ja die Liebe uns verband.

Wir werden uns mal wiedersehen,
mit dieser Hoffnung leben wir,
und was auch immer wird geschehen,
es bleibt ja doch die Welt für uns.

Unbekannt

 


In dem Moment, in dem man erkennt,
daß dem Menschen, den man liebt,
die Kraft zu leben verläßt, wird alles still.
Niemals mehr kannst du ihn um Rat fragen,
nie mehr dich mit ihm freuen,
nie mehr mit ihm lachen.
Dir fehlt ein Mensch für immer,
und du begreifst,
daß du das Liebste verloren hast.

Unbekannt

 

 

Du warst wie die Sonne,
mit Deiner Seele hast Du
unsere Herzen gewärmt.
Dein Lachen fehlt, Dein kluges Wort,
Dein sanftes Gesicht,
Wir lieben Dich so sehr,
Für jeden Tag mit Dir sind wir dankbar.
Wir vermissen Dich.

Nachruf

 

 

 

 

Andenken an einen verstorbenen Freund...

Ich stehe an seinem Grab und denke an früher.
Ich denke, wie schön es doch mit ihm war.
Ich weiß diese Zeiten kommen nie zurück.
Ich weiß, er bleibt für immer in unserem Herzen –
aber ich weiß auch, daß ich es nie verstehen werde!

Unbekannt

 

 

 

Es wird Tag,
jeden Tag einmal –
immer wieder.
Nacht zerfällt,
Schatten weichen
wie Tränen trocknen.
Trauer darf nicht dauern.

Nachruf

 

 

 

 

 

Erloschen ist das Leben dein,
Du wolltest gern noch bei uns sein.
Dein gutes Herz, es schlägt nicht mehr,
fü uns ist das unendlich schwer.
Es ist so schwer, es zu verstehn,
daß wir uns in diesem Leben nicht mehr wiedersehn.

 

Nachruf

 

 

 

 

In des Lebens weitem Kreise
schloß ich leise nun die letzte Tür!
Ruh und Frieden sind gegeben
und in unser aller Leben
bleibt uns die Erinnerung nur.

Unbekannt

 

 

Diese Richtung ist gewiß,
Immer schreite, schreite!
Finsternis und Hindernis
Drängt mich nicht zur Seite.

Endlich leuchtest meinem Pfad,
Luna! klar und golden;
Immer fort und immer grad
Geht mein Weg zur Holden.

Nun der Fluß die Pfade bricht,
Ich zum Nachen schreite,
Leite, liebes Himmelslicht,
Mich zur andern Seite.

Seh ich doch das Lämpchen schon
Aus der Hütte schimmern,
Laß um deinen Wagenthron
Alle Sterne glimmern.

Johann Wolfgang von Goethe
 

 

 

 

Doch solltet ihr je übermütig werden
Mit Stolz erheben euren Herrscherblick
So denkt an den Gewaltigen zurück
Der jetzt nur fiel in Gottes strenge Hände
An Ottokar, sein Glück und an sein Ende!

Franz Grillparzer

 

 

 


Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie.
Beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie.
Beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie.
Beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wie uns an sie.
Zu Beginn des Jahres und wenn das Jahr zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie.
Wenn wir müde sind und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie.
Wenn wir verloren sind und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie.
Wenn wir Freude erleben, die wir gerne teilen würden,
erinnern wir uns an sie.
Solange wir leben, werden auch sie leben,
denn sie sind ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern!

Unbekannt

 

 

 

 

Epitaph

Der gute Mann, den wir zu Grabe tragen,
Sieht wächsern aus und scheint erstarrt zu sein.
Doch war er so verliebt in allen Schein,
Daß man sich hüten muß, ihn tot zu sagen.

Er liebte es in allen Lebenslagen
Dem Unerhörten nur Gehör zu leihn.
Umgeben so von hundert Fabulein
Kann man nur zögernd ihm zu glauben wagen.

Drum, wenn auch jetzt sein schmaler Maskenmund
Geschlossen liegt und nicht mehr sprechen mag:
Er lauscht vielleicht nur in den Schöpfergrund ...

Und steht dann wieder auf wie jeden Tag.
Laßt ihn getrost bei seinem Leichenspiele.
Er lächelt schon und wir sind kaum am Ziele.

Hugo Ball

 

 

 

Grabschrift

»Dem Auge fern, dem Herzen nah!«

Als ich die alte Grabschrift sah
im eingesunknen Marmorstein,
da fiel mein totes Lieb mir ein . . .

O Gott, ich schrieb schon tausendmal
das gleiche Lied aus gleicher Qual,
und war doch keins wie dieses da:

»Dem Auge fern, dem Herzen nah!«

Ludwig Jacobowski

 

 

 

Schollen

Er stand zu sehr im Leben,
Als daß es nun dem Sarg,
Der seinen armen Leichnam barg,
Hätt' können Ruh' und Frieden geben.

Und als der Sarg im Grab
Auf seinem dunklen Grunde stand,
Da rollten von dem Rand
Viel Schollen auf den Sarg hinab:

Fünf schwere Schollen geheucheltes Leid,
Sechs Schollen verletzte Eitelkeit
Und sieben Schollen mit polternder Wucht,
Sieben Schollen grollender Eifersucht;

Und rollten hinab acht Schollen Lust,
Daß er nun doch früher weichen gemußt,
Neun Schollen Mißgunst, zehn Schollen Neid
Und viel, viele Schollen Undankbarkeit.

Dazwischen aber ein Handvoll Ehr',
Ein Bröcklein Treue, von Tränen schwer,
Ein Stäubchen Liebe.
Das Grab ist zu.

Nun schlaf, du Braver, in guter Ruh:
Der Haß und der Neid und die Bosheit vergehn,
Wirst doch im Frühling in Blüten stehn…

Hugo Salus

 

 


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